hoch3 Visual Story
Mobilität,
die bewegt
Automatisiert, sicher und nachhaltig fahren
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Mobilität,
die bewegt
Automatisiert, sicher und nachhaltig fahren
Verkehr, Mobilität, Transport – für unseren Alltag essenziell, für das Florieren der Wirtschaft lebenswichtig, für Wissenschaft und Forschung eine globale zukunftsrelevante Herausforderung. Die TU Darmstadt trägt maßgeblich zu Lösungen bei.
Digitalisierung, KI und komplexe technische Systeme nutzen die Forschenden auf vielen Gebieten, um die Mobilität von morgen zu gestalten – etwa in der Lichttechnik oder in der Sensorik, um das Umfeld beim Fahren optimal zu erfassen.
Die TU Darmstadt betrachtet die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft ganzheitlich – aus der Perspektive von Straße, Schiene, Luft. Der xchange circle Mobilität und Transport bündelt diese Aktivitäten.
Steigen sie ein!
Fahrzeugtechnik, am Menschen orientiert
Automatisiertes Fahren – eine hochkomplexe Herausforderung
Fahrzeugtechnik,
am Menschen orientiert
Automatisiertes Fahren –
eine hochkomplexe Herausforderung
Die Forschungsgruppe „Human Factors & Ergonomics“ stärkt das Profil des Fachgebiets Fahrzeugtechnik im Fachbereich Maschinenbau. Das eröffnet Synergien und ganzheitliche Forschungsperspektiven
apl. Professorin Dr.-Ing. Bettina Abendroth, Leitung Forschungsgruppe „Human Factors & Ergonomics” (FZD-IAD)
apl. Professorin Dr.-Ing. Bettina Abendroth, Leitung Forschungsgruppe „Human Factors & Ergonomics” (FZD-IAD)
Professor Dr.-Ing. Steven Peters, Leitung Fachgebiet „Fahrzeugtechnik” (FZD)
Professor Dr.-Ing. Steven Peters, Leitung Fachgebiet „Fahrzeugtechnik” (FZD)
Frau Abendroth, Herr Peters, Sie sind beide in den Ingenieurwissenschaften, genauer im Fachbereich Maschinenbau, verortet. Da denkt man oft zuerst an die Erforschung neuer Werkstoffe, Technologien und Prozesse für Autos, Flugzeuge oder Kraftwerke. Ob aber dabei stets bedacht ist, dass die entwickelten Produkte und Methoden gut an den Faktor Mensch angepasst sind und Nutzern optimal gerecht werden, erscheint weniger selbstverständlich. Tue ich Ihnen damit unrecht?
Steven Peters: Ja, in der Tat (schmunzelt). Ich komme aus der Automobilindustrie und da ist völlig klar, dass die Sicherheit maßgeblich davon abhängt, welches mentale Modell beim Fahrer, der ja in der Regel kein Experte ist, entsteht, d.h. was er oder sie glauben, wie sich das Fahrzeug in welcher Situation verhalten wird.
Bettina Abendroth: Und mit zunehmend fortschrittlichen Assistenzsystemen, die in der Regel mehr Funktionalitäten umfassen, wird das noch wichtiger. Hier kann die Unkenntnis der Systemgrenzen, also etwa ein Überschätzen des Systems durch den Menschen, zu kritischen Situationen führen.
Ist die interdisziplinäre Integration von Arbeitswissenschaft und Fahrzeugtechnik ein Alleinstellungsmerkmal der TU Darmstadt im universitären Umfeld in Deutschland?
Peters: In dieser konsequenten Form ist es das. Aber es gibt beispielsweise in Aachen und Dresden tolle Kollegen der Fahrzeugtechnik, die ebenfalls Human Factors Teams haben.
Abendroth: An vielen arbeitswissenschaftlichen Lehrstühlen in Deutschland spielt das Thema Mensch-Maschine-Interaktion in der Fahrzeugführung und der Bereich der Mobilität eine wichtige Rolle. Der Ansatz der TU Darmstadt, die Kompetenzen aus Fahrzeugtechnik und Arbeitswissenschaft gezielt über zwei Professuren auch organisatorisch zusammenzuführen, ermöglicht eine besondere, ich würde sagen, fast einzigartige interdisziplinäre Perspektive.
Welche Forschungsschwerpunkte stehen bei Ihren Teams im Fokus und wie ergänzen sie sich?
Abendroth: Der Fokus der Fahrzeugtechnik liegt auf der Sicherheit von modernen, d.h. Machine Learning basierten Assistenz- und Automatisierungssystemen für Pkw und Lkw. Im Bereich Human Factors geht es ganz allgemein gesprochen um die Schnittstellen zwischen Mensch und Technik im Hinblick auf Ergonomie, Usability und User Experience. Dabei ist es uns wichtig, dass Aufgaben an Menschen, d.h. an menschliche Bedürfnisse und Erwartungen angepasst sind – und das sowohl im Hinblick auf ihren Inhalt und Umfang als auch auf die Kommunikation zwischen System und Mensch.
Unsere aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des automatisierten Fahrens. Ein zentrales Thema ist dabei das situationsbezogene Teaming zwischen Mensch und Automationssystem – sowohl aus der Perspektive der Fahrer:innen als auch aus der Sicht außenstehender Verkehrsteilnehmender wie etwa Fußgänger:innen, die solchen Fahrzeugen im Alltag eher zufällig begegnen. Im Mittelpunkt stehen hierbei insbesondere Fragen der Kommunikation und Kooperation zwischen Mensch und System sowie neuartige Mensch-Maschine-Schnittstellen, etwa Interfaces mit anthropomorphen, also menschenähnlichen, Eigenschaften.
Ein weiterer Forschungsbereich, der sich in den letzten Jahren stark entwickelt, ist die Teleoperation automatisierter Fahrzeuge. Hier untersuchen wir unter anderem, welche Aufgaben Teleoperator:innen übernehmen, wie Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe gestaltet sein müssen und wie die Kommunikation zwischen Teleoperator:innen und Fahrzeuginsassen sinnvoll unterstützt werden kann. Darüber hinaus befassen wir uns mit Fragen der menschlichen Referenz zur Absicherung automatisierter Fahrsysteme sowie mit der gezielten Förderung eines angemessenen mentalen Modells der Fahrer:innen über Funktionsweise, Fähigkeiten und Grenzen dieser Systeme.
Bei all diesen Themen schaffen wir durch die enge Verzahnung menschbezogener Expertise mit fahrzeugtechnischem Know-how besondere Synergien, die sich in Konzepten, methodischen Werkzeuge und konkreten Handlungsempfehlungen für Forschung und Praxis widerspiegeln.
Ist der ganzheitliche Blick eines menschzentrierten Maschinenbaus aufgrund der Rasanz technologischer Umbrüche – ich nenne autonomes Fahren, KI, Robotik – gar unausweichlich geworden?
Peters: Ich glaube, er war immer wichtig. Aber bei all der Rasanz hilft es oft, gerade nicht von der Technologie ausgehend, sondern von den menschlichen Bedürfnissen her zu denken. Diese ändern sich deutlich langsamer und das muss berücksichtig werden. Vielleicht liegt es manchmal auch daran, dass Ideen scheitern, weil sie ihrer Zeit voraus sind.
Abendroth: Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Technische Entwicklungen sollten stets von der Frage ausgehen, welche Menschen in welchen Situationen welche Art von technischer Unterstützung tatsächlich benötigen.
Wie beschreiben Sie pointiert Ihr übergeordnetes generelles Forschungsziel?
Peters: Unsere gemeinsame Vision, an deren Umsetzung wir arbeiten, ist die Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr durch eine situative angepasste Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Machine Learning-basiertem Fahrzeugsystem. Diese Forschung wird auch von Kolleg:innen der Informatik und Elektro- und Informationstechnik an der TU unterstützt und kann auch Übertragungen auf die Luftfahrt oder die Robotik ermöglichen.
Wie sind an der TU arbeitswissenschaftliche Perspektiven künftig in Lehrangeboten der Fahrzeugtechnik verankert?
Abendroth: Wir planen ein angepasstes Lehrangebot im Bereich Human Factors und Ergonomie, das unter anderem eine Veranstaltung im Master zur Arbeitsgestaltung umfasst. Hier werden Fragen der Ergonomie von Arbeitsplätzen sowie der Arbeitsorganisation behandelt. Dabei geht es um grundlegende Themen, die jedoch auch einen klaren Bezug zur Fahrzeugtechnik haben – etwa im Hinblick auf Aufgabenprofile und die Ausstattung von Fahrerarbeitsplätzen in unterschiedlichen Fahrzeugtypen, von klassischen Pkw und Lkw bis hin zu Landmaschinen. Ergänzend dazu wird die bereits im Bachelor angebotene Lehrveranstaltung zur Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen grundlegend überarbeitet und unter anderem um einen stärkeren Fokus auf fahrzeugbezogene Fragestellungen erweitert.
Die Fragen stellte Jörg Feuck. Fotos: Paul Abendschein
Überzeugende Fusion
Seit Januar 2026 erweitert die von apl. Professorin Bettina Abendroth geleitete Forschungsgruppe „Human Factors & Ergonomics (FZD-IAD)” das Profil des Fachgebiets Fahrzeugtechnik (FZD) im Fachbereich Maschinenbau. Die Integration folgt einer ohnehin langjährigen engen Kooperation: „Wir führen wissenschaftliche Fragestellungen zu Digitalisierung, KI und Interfacegestaltung mit besonderem Fokus auf Fahrzeugkontexte und sicherheitsrelevante soziotechnische Systeme synergetisch weiter“, so Abendroth. Und FZD-Leiter Professor Steven Peters erläutert: „Komplexe technische Systeme, insbesondere im Kontext automatisierter und KI-basierter Mobilität, lassen sich nur dann sicher und erfolgreich entwickeln, wenn menschliche Faktoren von Beginn an mitgedacht werden.“
Aktuelle Forschungsprojekte
Impressionen
aus der Forschungsgruppe
„Human Factors & Ergonomics“
am Fachgebiet „Fahrzeugtechnik“
Dynamischer Fahrsimulator mit VR-Umgebung
Dynamischer Fahrsimulator mit VR-Umgebung
„Adaptive Arbeitsstation“ zur automatischen Positionierung der Arbeitsobjekthöhe und messen der Auswirkungen auf die Gelenkkinematik mit dem Motion Capture System „Xsens Awinda“
„Adaptive Arbeitsstation“ zur automatischen Positionierung der Arbeitsobjekthöhe und messen der Auswirkungen auf die Gelenkkinematik mit dem Motion Capture System „Xsens Awinda“
Mensch-Roboter-Kollaborationsarbeitsplatz
Mensch-Roboter-Kollaborationsarbeitsplatz
Mobiler Fahrsimulator zur Demonstration (teil)automatisierter Konzepte im Stadt:up Projekt
Mobiler Fahrsimulator zur Demonstration (teil)automatisierter Konzepte im Stadt:up Projekt
Aktive Pedale im Fahrsimulator
Aktive Pedale im Fahrsimulator
Erforschung der Interaktion zwischen Fußgänger:innen und automatisierten Fahrzeugen in der virtuellen Realität.
Erforschung der Interaktion zwischen Fußgänger:innen und automatisierten Fahrzeugen in der virtuellen Realität.
Ganzkörper 3D-Scan zur Ermittlung anthropometrischer Maße
Ganzkörper 3D-Scan zur Ermittlung anthropometrischer Maße
Sicher durch
die Nacht
Lichtgestützte Objekt-Detektion für das autonome Fahren
Die Kfz-Beleuchtung zählt seit Jahrzehnten zu den Forschungsschwerpunkten des Fachgebiets Adaptive Lichttechnische System und visuelle Verarbeitung. Technische Innovationen für Anwendungen wie Frontscheinwerfer, Heckleuchten und Kfz-Innenraumbeleuchtung werden vom Fachgebiet mitgestaltet und validiert. Neue hochautomatisierte Fahrzeuge erfordern innovative Beleuchtungs- und Signalkonzepte.
Wie kann ein autonom fahrendes Fahrzeug auch im nächtlichen Straßenverkehr Personen oder Objekte rechtzeitig erkennen? Wie muss eine Kamera zur Detektion beschaffen sein, und wie läuft künftig die Verständigung untereinander ab, wenn niemand mehr am Steuer sitzt, der Gesten deutet? Welche Möglichkeiten Adaptive Lichttechnische Systeme dabei bieten, wird im Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der TU Darmstadt erforscht.
Julian Lerch, Markus Peier und Korbinian Kunst mit ihrem Demonstrator zur lichtgestützten Objektdetektion. Foto: Patrick Bal
Julian Lerch, Markus Peier und Korbinian Kunst mit ihrem Demonstrator zur lichtgestützten Objektdetektion. Foto: Patrick Bal
Bildschirm und Kamera, viel mehr braucht es für die Visualisierung nicht. Markus Peier, Julian Lerch und Korbinian Kunst, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet Adaptive Lichttechnische System und visuelle Verarbeitung, haben eine Versuchsanordnung aufgebaut. Tritt eine Person ins Blickfeld der Kamera, erscheint sie auf dem Computerdisplay – eingefasst von einem roten Rahmen und ergänzt um Angaben, mit wieviel prozentiger Wahrscheinlichkeit es sich bei dem Objekt um einen Menschen handelt. Ein am Fachgebiet entwickeltes KI-gestütztes System macht diese Erkennung und Visualisierung für automatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr möglich. „Erfasst werden nicht nur Personen, sondern Objekte generell“, betont Peier.
Das Projekt zur lichtgestützten Objekt-Detektion unter der Leitung von Professor Tran Quoc Khanh behandelt gleich mehrere Forschungsaspekte: Wie müssen die Spezifikationen einer Kamera sein, um überhaupt Gegenstände oder Menschen auch im nächtlichen Straßenraum erkennen zu können? Welche Pixelgröße und Auflösung muss sie haben, und welche Verstärkung, Belichtungszeit und Blendenöffnung müssen eingestellt werden, um verlässliche Ergebnisse zu liefern? Und wie können Fahrende oder automatisierte Fahrsysteme bei der Detektion in der Dunkelheit unterstützt werden?
Was ist gute Sichtbarkeit?
Aufgestellt haben die Forschenden dazu einen Scheinwerfer, der aus 25.600 Mikro-LEDs besteht. „Die Scheinwerfer der Zukunft sind eher digitale computergesteuerte Projektoren denn Lampen“, erklärt Kunst. Gekoppelt ist dieser Projektor mit der hochauflösenden Kamera in der Mitte der Fahrzeug-Frontscheibe. Wird ein Objekt mit nur geringer Wahrscheinlichkeit detektiert, kann es durch die Vielzahl an Pixeln gezielt angeleuchtet werden, um die Sichtbarkeit für das KI-System, aber auch den Menschen zu erhöhen, wie er erläutert. Wobei geklärt werden muss, wie sich gute Sichtbarkeit für Mensch und Kamera jeweils definieren. Kunst unterstreicht den interdisziplinären Ansatz: So spielt unter anderem die Psychologie eine Rolle, welche Kontraste Menschen zur sicheren Detektion benötigen, und die Frage, welchen Einfluss dabei Fahrgeschwindigkeit, Objektdynamik, Position oder Größe des Objektes haben.
„Die Scheinwerfer der Zukunft sind eher digitale computergesteuerte Projektoren denn Lampen.“
Kommunikation ohne Gesten
Adaptive lichtgestützte Systeme lassen sich jedoch nicht allein für die Detektion einsetzen, sondern in der Welt des automatisierten und autonomen Fahrens auch für die Kommunikation. Markus Peier beschreibt eine mögliche Situation: Gibt es keinen Fahrer oder keine Fahrerin mehr im Auto, fällt die Kommunikation mit Gesten weg. „Wie verständige ich mich dann aber, wer beispielsweise an einer unübersichtlichen Stelle zuerst fahren darf? Welche Symbole lassen sich stattdessen einsetzen, und wo sollten diese sichtbar werden? „Hinzu kommt, dass die Zeichen auch international verständlich sein müssen“, unterstreicht er. Denkbar wären Symbole zur Anzeige des Fahrstatus‘ oder Warnungen mit Stoppsymbolen auf einem Display in der Kühlerfront des Fahrzeuges.
Astrid Ludwig
Der Artikel erschien zuerst in der hoch3 Ausgabe 2/2024.
Ohne Lenkrad auf der Rollbahn
Unterwegs im autonomen Forschungsfahrzeug autoELF
Ohne Lenkrad
auf der Rollbahn
Unterwegs im autonomen Forschungsfahrzeug autoELF
Die TU Darmstadt war Teil des vor einigen Monaten erfolgreich beendeten bundesweiten Forschungsverbundes AUTOtech.agil, der an der Mobilität der Zukunft und dem Autonomen Fahren arbeitete. In diesem Kontext zog das Forschungsfahrzeug autoELF auf dem TU-Testgelände autonom und ohne Lenkrad seine Runden. Eine Reporterin der hoch3- fuhr seinerzeit mit.
Die Türen öffnen seitwärts wie in einem Zugabteil. Das Innere ist geräumig, vier Menschen können sich auf komfortablen Sesseln gegenübersitzen. Sogar künstliche Blumen zieren die Fenster. Moritz Lippert lacht: „Das ist die Home-Edition“ – die Familienversion des Forschungsfahrzeugs. Das Design für die Taxi-, Shuttle- oder Lieferversion ist funktionaler. Dr.- Ing. Moritz Lippert ist Oberingenieur am Fachgebiet Fahrzeugtechnik des Fachbereichs Maschinenbau. Er und Kollege Björn Klamann arbeiten am Forschungsprojekt AUTOtech.agil, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2025 mit 24 Millionen Euro fördert. Rund 20 Universitäten und Industriepartner sind an dem Vorhaben für das automatisierte und vernetzte Fahren beteiligt. Es ist das Nachfolge-Projekt von UNICARagil, in dessen Laufzeit vier Forschungsmobile entstanden sind.
Dr-Ing. Moritz Lippert (links) und Björn Klamann vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik im autonomen Fahrzeug autoELF.
Dr-Ing. Moritz Lippert (links) und Björn Klamann vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik im autonomen Fahrzeug autoELF.
Eines davon, die autoELF, steht vor einem Hangar auf dem Flugplatz Griesheim. Mit ihrem futuristischen Design würde sie in einen Science-Fiction-Film passen. Forschende der RWTH Aachen haben Design und Chassis des Prototyps entworfen, an der TU Braunschweig entstand das Konzept für den Innenraum. Das Team der TU Darmstadt sorgt dafür, dass die ELF sich sicher fortbewegt, kontrolliert anhält, einparkt oder wendet sowie für Teile der Absicherung und entwickelten eine Niedriggeschwindigkeitsfunktion.
Blumenschmuck im Innenraum – die Familienversion des Forschungsfahrzeugs.
Blumenschmuck im Innenraum – die Familienversion des Forschungsfahrzeugs.
Bis zu 70 km/h sind möglich
Geplant ist eine Testfahrt auf den Rollbahnen des Flugplatzes. Die Türen schließen, Lippert bedient eine Art Joystick, um zunächst manuell zum Startpunkt der Route zu fahren, Klamann gibt Befehle für die Fahrmission ins Laptop ein. Mit leichtem Ruck fährt das Mobil los. 20 Kilometer pro Stunde kann der Prototyp manuell, 15 km/h automatisiert fahren. Ausgelegt ist er für bis zu 70 km/h. Auf einem Display erscheinen Kamerabilder der Außenumgebung. „Die Mission ist kartenbasiert“, erklärt Lippert. Das heißt, die ELF fährt auf einer zuvor programmierten Route, vergleichbar einem Rasenroboter, der entlang von Begrenzungskabeln agiert. „Nur eben digital“, deutet Klamann auf das Laptop-Display, auf dem die Fahrstrecke mit roten Linien und angrenzende Grünflächen blau markiert sind. Taucht ein Hindernis auf, etwa ein Mensch, erscheint er als grüne Fläche.
Kamerabilder der Außenumgebung und die Fahrgeschwindigkeit werden im Fahrzeug auf einem Display gezeigt.
Kamerabilder der Außenumgebung und die Fahrgeschwindigkeit werden im Fahrzeug auf einem Display gezeigt.
Sensoren an den Fahrzeugecken tasten die Umgebung ab. Anhand von GPS-, Kamera- und Radar-Informationen sowie Daten des Laserscanner-Systems LIDAR wird die Position präzise bestimmt und ein 360-Grad-Umfeldmodell erstellt. Ungünstige Wetterkonditionen wie etwa starker Regen können die Testfahrten erschweren. In Notfällen kann das Gefährt jederzeit mit einer Fußbremse manuell angehalten werden. Ein schabendes Geräusch ertönt unter dem Fahrgestell. „Das war Unkraut“, beruhigt Lippert. Das macht sich überall auf der alten Piste breit. Die ELF setzt ihre Fahrt unbeirrt fort. Das TU-Team muss die Toleranz zwischen sicher Fahren und Stehenbleiben austarieren. Ist sie zu hoch eingestellt, könnten Unfälle passieren, ist sie zu niedrig, würde das Mobil andauernd stehen bleiben, so Lippert.
Mittels von GPS-, Kamera- und Radar-Informationen sowie Daten des Laserscanner-Systems LIDAR wird ein 360-Grad-Umfeldmodell erstellt.
Mittels von GPS-, Kamera- und Radar-Informationen sowie Daten des Laserscanner-Systems LIDAR wird ein 360-Grad-Umfeldmodell erstellt.
Langsam wird die Luft stickig. Im Heck des Mobils stehen Hochleistungsrechner, deren Abluft den Innenraum mit Wärme und permanentem Rauschen erfüllen. Autonomes Fahren braucht viel Rechenleistung und Energie. Sechs Stunden Testfahrt verbrauchen rund 48 Kilowattstunden Strom. „Am Energieverbrauch arbeiten wir im Projekt“, sagt Klamann. Noch begleiten Kinderkrankheiten den Prototyp, der natürlich keine automobile Serienabsicherung hinter sich hat, betont Lippert. Auf einer neuen Route, auf der das Mobil einparken und auf der Stelle wenden soll, schaltet sich das System mehrfach ab. Als die ELF jedoch schließlich die auf dem Display dafür markierte Fläche erreicht, klappt das Einparken tadellos. Das Mobil, das mit vier bis zu 90° lenkbaren Rädern ausgestattet ist, schaukelt kurz und gleitet in die Lücke – eine Funktion, die viele sicher heute schon gern nutzen würden.
Wann kommt das Autonome Fahren in Serienproduktion? Klamann: „Wir sind auf einem guten Weg.“
Rund 20 Universitäten und Industriepartner waren an dem Forschungsprojekt AUTOtech.agil für das automatisierte und vernetzte Fahren beteiligt.
Rund 20 Universitäten und Industriepartner waren an dem Forschungsprojekt AUTOtech.agil für das automatisierte und vernetzte Fahren beteiligt.
Text: Astrid Ludwig, Fotos: Klaus Mai.
Der Artikel erschien zuerst in der hoch3 Ausgabe 2/2024.
Nachhaltiger Verkehr? Das kann gelingen!
xchange-Circle M&T
Nachhaltiger Verkehr?
Das kann gelingen!
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Individuelle Mobilität und der Transport von Gütern sind unverzichtbar für Lebensqualität und Wohlstand. Nachhaltiges Handeln, so das Credo an der TU Darmstadt, ist ein Schlüssel zu einer erfolgreichen Transformation des Verkehrssystems.
Die Universität Darmstadt leistet hierzu einen international sichtbaren Beitrag. Im xchange-Circle „Sustainable Mobility and Transport (M&T)“ arbeiten interdisziplinäre Teams an optimalen Lösungen für Verkehrsbedarfe auf der Straße, der Schiene und in der Luft. Und suchen stets nach ganzheitlichen Ansätzen – etwa durch Forschung mit Methoden der integrierten Netz-, Erschließungs- und Verkehrsentwicklungsplanung.
Oder, um ein konkretes Thema zu nennen: Automatisierte und fahrerlose Fahrzeuge können den ländlichen Raum mit On-demand-Shuttles an das bestehende ÖPNV-Netz der Großstädte anbinden. Außerdem können multifunktionale Roboterfahrzeuge mit bedarfsgerechten Anbaumodulen Dienstleistungen wie Reinigungs- und Grünpflegearbeiten für die Städte von Morgen anbieten.
Lassen Sie sich gerne von der Forschung bewegen!
xchange Veranstaltung „Circular Vehicles"
Mal konkret: Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus, und wie verändert sich die Automobilbranche durch Nachhaltigkeit und Digitalisierung? Um diese Fragen ging es in der Veranstaltung „Circular Vehicles: Smartphone, intelligenter Begleiter oder Apartment – wie wird das Auto von morgen?“ des xchange Circles Sustainable Mobility and Transport am 17. April 2026 an der TU Darmstadt.
Vor mehr als 200 Teilnehmenden hielt Professor Oliver Zipse, bis Mai 2026 Vorstandsvorsitzender der BMW AG und Alumnus der TU Darmstadt, die Keynote. Zipse, die TU-Professoren Steven Peters und Klaus Hofmann sowie Alexander Bloch, Chief Explanation Officer bei der Zeitschrift „auto motor und sport“, diskutierten anschließend über Mobilitäts-Megatrends.




